Holzhaus Bauarten im vergleich
Dänische Blockbohlenhäuser, Schwedenhäuser als Holzrahmenbau, Rundstammhäuser oder Holztafelbauweise?
Einleitung
Wenn Menschen vom „Holzhaus“ sprechen, haben sie nicht immer dasselbe vor Augen. Denn „Holzhaus“ ist nicht gleich „Holzhaus“ – es gibt ganz unterschiedliche Bauweisen, Materialien und Ausführungsformen. Wer sich mit dem Thema Holzhaus beschäftigt, sollte daher unbedingt einen genaueren Blick auf die vier wichtigsten Bauarten werfen: das skandinavische oder dänische Blockbohlenhaus, den Holzrahmenbau, das Rundstammhaus und die Holztafelbauweise. Jede Variante bringt eigene Vorzüge, Einschränkungen und gestalterische Möglichkeiten mit sich.
Das dänische Blockbohlenhaus
Diese Bauart ist insbesondere in Skandinavien – vor allem in Dänemark – weit verbreitet. Als Basismaterial dient nordische Fichte, die durch ihr langsames Wachstum auf feuchten und steinigen Böden sehr dichte Jahresringe und damit hervorragende Stabilität bietet. Anders als bei kanadischen Rundstammhäusern bestehen die Wände nicht aus dicken, runden Stämmen, sondern aus fast rechteckigen oder ovalen Bohlen von 7 bis 9 cm Stärke.
Diese Bohlen werden vorgefertigt, nummeriert und auf der Baustelle Block für Block zusammengesetzt. Die Häuser sind dennoch innerhalb von wenigen Tagen regendicht. Die Blockbohlenwand wird in der Regel zusätzlich gedämmt – inklusive Installationsebene und Innenverkleidung entsteht so eine energetisch hocheffiziente Wandkonstruktion von 35–40 cm Stärke.
Innen können ganz unterschiedliche Materialien zum Einsatz kommen: Fermacell, OSB, Lehmplatten oder Holzverkleidungen – alles ist möglich. Die energetischen Standards für einergieeffiziente Häuser lassen sich problemlos einhalten. Einzige technische Einschränkung: Die Hausecken bestehen aus 90°-Verbindungen – schräge Grundrisse lassen sich nur durch konstruktive Vorbauten realisieren.
Der Holzrahmenbau / Holzständerbau
Diese Bauweise erinnert an das klassische Fachwerk, nur moderner: Ein stabiles Holzskelett wird errichtet und mit Dämmung, Verkleidung und Beplankung zu einer geschlossenen Wand ergänzt. Diese Bauart ist äußerst flexibel – nahezu jeder Grundriss und Winkel lässt sich umsetzen. Besonders bei mehrgeschossigen Häusern bietet sich der Holzrahmenbau an.
Die Außenverkleidung erfolgt meist mit massiven Holztafeln aus nordischer Fichte – vertikal oder horizontal angebracht. Diese lassen sich in jeder Wunschfarbe streichen oder lasieren. Auch eine Verkleidung mit unbehandelter Lärche ist möglich, bringt aber langfristig optische Nachteile durch ungleichmäßige Vergrauung.
Die Baukosten liegen etwa auf dem Niveau der Blockbohlenhäuser, allerdings ist die Montage etwas aufwendiger. Dafür ist die Gestaltungsfreiheit sehr groß – auch begehbare Dachterrassen, Erker oder Anbauten lassen sich problemlos realisieren.
Das Rundstammhaus
Diese rustikalen Holzhäuser sind vor allem in Kanada, Österreich und alpinen Regionen verbreitet. Sie bestehen aus aufeinandergestapelten, runden Baumstämmen und bieten ein uriges, gemütliches Wohngefühl. Innen wie außen besteht das Haus vollständig aus Holz – eine Veränderung des Erscheinungsbilds ist später nur mit großem Aufwand möglich.
Da das Holz arbeitet und sich im Laufe der Jahre setzt, müssen alle Anschlüsse an Fenster und Türen flexibel ausgeführt werden. Gleitschienen sorgen dafür, dass sich Fenster und Türen trotz Holzbewegung nicht verziehen. Eine spätere Ergänzung von Leitungen oder Steckdosen ist hingegen kaum möglich – alle Technik muss im Vorfeld perfekt geplant werden.
Wer sich für diese Bauweise entscheidet, sollte sich bewusst sein: Man liebt es oder man lässt es. Es ist weniger eine technische, als vielmehr eine emotionale Entscheidung.
Die Holztafelbauweise / das Fertighaus
Die Holztafelbauweise – oft auch als Fertighausbau bezeichnet – unterscheidet sich grundlegend von anderen Bauweisen: Wände, Decken und Dachelemente werden im Werk industriell vorgefertigt, meist inklusive Dämmung, Fenster- und Türöffnungen, Installationsleitungen und gegebenenfalls bereits eingebauter Fenster. Auf der Baustelle erfolgt dann die eigentliche Hausmontage in wenigen Tagen – präzise, schnell und witterungsunabhängig.
Diese Geschwindigkeit erfordert jedoch eine sehr detaillierte und verbindliche Planung im Vorfeld. Sämtliche Steckdosen, Lichtschalter, Wasseranschlüsse und Leitungstrassen müssen bereits in der Entwurfsphase festgelegt werden. Nachträgliche Änderungen sind entweder nur eingeschränkt oder mit erheblichem Mehraufwand umsetzbar.
Die energetischen Standards eines Fertighauses können problemlos mit anderen Bauweisen mithalten: KfW-Effizienzhausklassen, individuelle Dämmkonzepte und moderne Heizsysteme sind realisierbar. Auch gestalterisch bestehen vielfältige Möglichkeiten – sowohl bei der Fassadenverkleidung (z. B. vertikal oder horizontal, farbig oder naturbelassen) als auch im Innenausbau.
Zu beachten ist jedoch: Der Wiederverkaufswert von Fertighäusern kann im Vergleich zu individuell geplanten Massiv- oder Holzrahmenhäusern mitunter etwas geringer ausfallen – vor allem, wenn der Hersteller am Markt weniger bekannt ist. Die Auswahl an Materialien, Details und Ausstattungskomponenten ist oft an das System des jeweiligen Herstellers gebunden, was die individuelle Gestaltungsfreiheit in Teilen einschränken kann.
Eigenleistungen oder ein späterer Selbstausbau sind in der Holztafelbauweise meist nur begrenzt möglich – je nach Hersteller und Bauvertrag. Wer also besonders viel selbst gestalten oder mitbauen möchte, sollte genau prüfen, welche Spielräume bestehen.
Fazit – Welche Bauart passt zu mir?
Alle vorgestellten Bauarten haben ihre Daseinsberechtigung. Es gibt keine pauschale Empfehlung – vielmehr ist es eine Frage der persönlichen Präferenzen, des Budgets, des Zeitrahmens und der gestalterischen Wünsche.
Wer nordischen Charme und Handwerklichkeit sucht, ist beim Blockbohlenhaus gut aufgehoben. Wer maximale Gestaltungsfreiheit und Erweiterbarkeit braucht, sollte über den Holzrahmenbau nachdenken. Für rustikale Naturfreunde mit klarer Vorstellung eignet sich das Rundstammhaus. Und wer Wert auf Schnelligkeit und industrielle Präzision legt, könnte mit einem Holztafel-Fertighaus glücklich werden.
Informiere dich umfassend, besuche Musterhäuser, sprich mit Experten und triff dann eine fundierte Entscheidung – denn dein zukünftiges Zuhause soll dich jahrzehntelang begleiten und glücklich machen.